Ratschläge zu Bildformaten werden meist als Rangliste geschrieben: WebP schlägt JPEG, AVIF schlägt WebP, für Transparenz nimm PNG. Ranglisten merkt man sich leicht und sie liegen häufig falsch, denn welches Format richtig ist, entscheidet der Inhalt des Bildes — nicht, wie die Datei gerade heißt.
Also haben wir aufgehört zu argumentieren und gemessen. Wir haben dieselben veröffentlichten Testdateien durch 38 eigene Konverter geschickt und jedes Ausgabe-Byte festgehalten — 98 Messungen insgesamt. Dieser Artikel ist die praktische Lesart dieser Tabelle. Jede Zahl unten stammt aus einer echten Umwandlung in einem echten Browser, und du kannst dieselben Testdateien herunterladen und alles nachrechnen.
Schritt eins: Was steckt in deinem Bild?
Ordne deine Datei vor der Formatwahl einer dieser fünf Gruppen zu. Diese eine Frage sagt das Ergebnis besser voraus als jede Formatrangliste.
| Gruppe | Woran du sie erkennst | Typischer Inhalt |
|---|---|---|
| Foto | Hineinzoomen — weiche Kanten, überall Korn | Kameraaufnahmen, Produktfotos |
| Screenshot | Große einfarbige Flächen, harte 1-Pixel-Rahmen, Text | App- und Web-Aufnahmen |
| Flache Illustration | Eine Handvoll Volltonfarben, keine Verläufe | Diagramme, Schemata, einfache Grafik |
| Logo mit Transparenz | Wenige Farben, harte Kanten, Schachbrett-Hintergrund | Icons, Badges, Sticker |
| Scan | Vom Scanner, meist riesig und unkomprimiert | TIFF- und BMP-Dokumente |
Fotos: JPG oder WebP, sonst nichts
Das ist die eine Gruppe, in der der gängige Rat stimmt. Unser Testfoto wog als PNG 1,88 MB. Umgewandelt fiel es auf 288,4 KB als JPG (−85%) und 303,1 KB als WebP (−84%). Kam es als 2,75 MB großer unkomprimierter BMP- oder TIFF-Scan, brachte JPG es auf 288,4 KB — minus 90%.
Wovor die Zahlen warnen, ist der Weg in die andere Richtung. Ein Foto in einem verlustfreien Format explodiert:
- JPG zu PNG: 330,2 KB → 2,07 MB (+542%)
- WebP zu PNG: 351,5 KB → 2,15 MB (+527%)
- JPG zu SVG nachgezeichnet: 330,2 KB → 7,49 MB (+2224%)
Und nichts davon holt Qualität zurück. Was der verlustbehaftete Encoder verworfen hat, ist weg; das verlustfreie Format speichert nur den Rest zum vollen Preis, samt Artefakten. Wandle ein Foto nur dann in PNG um, wenn du es gleich bearbeiten willst.
Du hast schon ein JPG und willst es kleiner? Das Neukodieren nach WebP sparte bei unserem Foto nur 9% (330,2 KB auf 301,9 KB), weil das JPEG bereits recht effizient war. Komprimieren lief besser mit −46%, und auf 800 px Breite verkleinern halbierte es.
Screenshots: WebP, und JPG ist eine Falle
Hier kippt die Rangliste, und genau daran scheitern viele. Unser 18,0 KB großer PNG-Screenshot wurde als JPG 43,5 KB — 142% größer. JPEG muss Bits aufwenden, um die harten Rahmen weichzuzeichnen, die PNG fast kostenlos speicherte: Du zahlst mehr und der Text wird unscharf.
WebP ist die richtige Antwort: Dieselbe Aufnahme landete bei 7,3 KB (−59%). Aus einem überfetten JPG-Screenshot war die Ersparnis drastisch, 45,3 KB auf 7,3 KB (−84%). Und wenn du eine 2,75 MB große BMP-Aufnahme hast: BMP zu WebP ergab 7,3 KB — verglichen mit dem Original ein Rundungsfehler.
Zu vermeiden ist der Rückweg. Unser 7,3 KB großer WebP-Screenshot kam als PNG mit 82,3 KB heraus, plus 1034%, weil PNG das von WebP eingebrachte Kompressionsrauschen getreu speichern muss.
Flache Illustrationen: WebP gewinnt, aber JPG ist keine Katastrophe
Flache Grafik komprimiert fast überall gut. Unsere 34,7 KB große Illustration wurde 10,2 KB als WebP (−71%) und überraschend 24,1 KB als JPG (−30%) — eine echte Ersparnis, anders als beim Screenshot, weil große Volltonflächen JPEG kaum etwas zum Weichzeichnen geben. Soll die Grafik ein Icon werden, brachte PNG zu ICO sie auf 1,3 KB (−96%).
Das Nachzeichnen zu SVG ist die verlockende Option, die meist nach hinten losgeht: Dieselbe Illustration wurde 117,0 KB (+238%), denn jede Farbfläche wird zu einem Pfad.
Logos mit Transparenz: niemals JPG
JPG hat keinen Alphakanal, Transparenz wird also mit Weiß gefüllt — unser transparentes Testlogo kam bei jeder JPG-Umwandlung mit weißem Kasten dahinter zurück. Was funktionierte:
- PNG zu ICO: 28,8 KB → 951 B (−97%)
- PNG zu SVG nachgezeichnet: 28,8 KB → 1,7 KB (−94%), und beliebig skalierbar
- PNG zu WebP: 28,8 KB → 7,5 KB (−74%), Transparenz bleibt
Dieses SVG-Ergebnis ist der einzige Fall unserer ganzen Tabelle, in dem Tracing klar gewinnt — und genau der Fall, für den Tracing gedacht war: wenige Farben, harte Kanten.
Eine ehrliche Ausnahme. Ein transparentes GIF mit 4,3 KB wuchs als WebP auf 5,4 KB (+27%). Gegen eine so kleine Datei bleibt einem modernen Codec kaum etwas zu holen. Trotzdem ist es weit besser als die Alternativen — dasselbe GIF hatte als PNG 26,0 KB (+507%) und als JPG 17,3 KB (+304%).
Scans: das Ziel hängt davon ab, was gescannt wurde
Jede unserer BMP- und TIFF-Testdateien war genau 2,75 MB groß, denn beide speichern rohe Pixel. Die Ersparnis ist in jedem Fall enorm, aber das richtige Ziel kippt mit dem Inhalt:
| Was gescannt wurde | Bestes Ziel | Ergebnis |
|---|---|---|
| Ein Foto | JPG | 2,75 MB → 288,4 KB (−90%) |
| Text oder Strichzeichnung | PNG | 2,75 MB → 22,9 KB (−99%), verlustfrei |
Die zweite Zeile ist die nützliche: Für ein gescanntes Dokument ist TIFF zu PNG kleiner als die JPG-Variante und pixelgenau. Bei gescannten Fotos ist es umgekehrt — PNG erreichte nur 2,25 MB (−18%), weil PNG fotografisches Korn nicht komprimieren kann.
Vektoren und moderne Codecs: zwei Sonderfälle
Kommt es von SVG, entscheidet die gewählte Breite über die Dateigröße, nicht das Format. Unser 574 Byte großes Test-SVG ergab bei der Standardbreite von 512 px 6,6 KB als WebP, 13,2 KB als JPG und 17,9 KB als PNG. Entscheide zuerst, welche maximale Größe du wirklich brauchst.
Kommt es von AVIF, verlässt du den effizientesten Codec der Tabelle, jeder Ausgang kostet also. Unsere UI-Aufnahme mit 1200 × 800 Pixeln passt als AVIF in 1.472 Byte; dasselbe Bild hat 6,9 KB als WebP (+378%), 43,7 KB als JPG (+2942%) und 36,5 KB als PNG (+2442%). Behalte das AVIF und liefere ein WebP als Rückfalloption, statt es zu ersetzen.
PDFs: Das Gewicht folgt dem Inhalt, nicht der Seitenzahl
Die PDF-Zahlen sagen immer dasselbe. Aus unserem fünfseitigen Testdokument ergab Seite 3 — eine ganzseitige Fotografie — 331,2 KB, Seite 4 mit reinem Text dagegen 1,4 KB. Diese Textseite zu löschen brachte die Datei von 334,1 KB auf 333,3 KB, also praktisch nichts; die Fotoseite zu löschen ließ 3,4 KB übrig.
Also: Zusammenführen verkleinert nichts (336,9 KB hinein, 336,0 KB heraus) und Drehen ändert die Größe gar nicht (334,1 KB in beiden Richtungen, weil nur ein Flag gesetzt wird). Brauchst du eine kleinere PDF, halbierte Komprimieren unsere auf 167,6 KB — es kodiert die Bilder neu und lässt Text unangetastet, was auch heißt: Eine reine Text-PDF hat kaum etwas zum Auspressen.
Drei Dinge, die die Messungen uns beigebracht haben
Verlustbehaftet zu verlustfrei kostet immer mehr, als man denkt. Nicht 20% mehr, sondern 500% bis 2700% mehr. Wenn du dabei bist, in PNG umzuwandeln, prüfe, ob du wirklich verlustfreie Bearbeitung, Transparenz oder Pixelgenauigkeit brauchst. Das sind gute Gründe. „Bessere Qualität” ist keiner, denn die Qualität ist schon weg.
„Welches Format ist kleiner” ist eine unbeantwortbare Frage. WebP unterbot seine Eingabe bei PNG-, JPG-, BMP- und TIFF-Quellen — dann wuchs ein 4,3 KB kleines transparentes GIF um 27%. Dieselbe Umwandlung von JPG zu PNG kostet bei einem Screenshot +61% und bei einem Foto +542%. Der Inhalt entscheidet, nicht das Format-Etikett.
Das Messen hat unsere eigenen veröffentlichten Ratschläge fünfmal widerlegt. Wir hatten geschrieben, PNG käme aus einer PDF-Seite kleiner heraus als JPG (bei Textseiten nicht), GIF zu PNG wachse „ein wenig” (+125% und +507%), WebP aus einem GIF sei kleiner als beide Alternativen (+27% beim Logo), AVIF zu WebP sei „etwas größer” (+92% bis +378%) und WebP sei nie größer geworden als seine Eingabe. Alle fünf sind korrigiert. Genau dafür existiert das Umwandlungs-Labor, und genau darum sind die Testdateien veröffentlicht: damit die Zahlen überprüft werden können, statt geglaubt zu werden.